Wir
25. Juni 2010
Tag
13. September 2007
Bevor wir kurz den Hintergrund der reißerischen Überschrift beleuchten wollen, sollen in aller Kürze die Fakten von Tag 6 des Ems-Schwimmmarathons auf den Tisch. Heute haben unsere Schwimmerinnen und Schwimmer die 23 Kilometer lange Strecke zwischen Lathen und der Herstrumer Schleuse zurückgelegt: die drittlängste Tagesetappe. Es war der Tag der Frauen, auf ihren mehr oder minder zarten Schultern lastete der Großteil der schwimmerischen Tagesbelastung. Anne Stockel (als einzige im kurzen Neoprenanzug unterwegs), Heidi Fischer-Klages (die elegante Stilistin) und Bärbel Stockel (letztere bekannt für ihren Raketenstart: kaum ins eiskalte Wasser gesprungen, verschwindet sie bereits in einem solchen Affentempo hinter der nächsten Kurve, dass die Begleitboot kaum hinterher kommen …) Ihr wart unglaublich heute!
Das Wetter war fast den ganzen Tag über recht wechselhaft; erst auf den letzten zwei, drei Kilometern kam die von den Kachelmännern dieser Welt für heute versprochene Sonne durch. Als das Team an der Herstrumer Schleuse aus dem Wasser stieg, verzogen sich die letzten Wolkenschwaden. Makelloser blauer Himmel – danke, Herr! Irgendwie haben wir uns das redlich verdient …
Apropos danke: Auch heute wurden wir mit rührender Großzügigkeit empfangen, und das gleich zwei Mal. Heute Mittag wurden wir im Marina Park bei Dörpen von einer Menge begeisterter Einheimischer begrüßt (wie gesagt: mittags!). Hinreißend die Darbietungen von rund 50 Kindergartenkindern, die uns mit sichtbar Spaß an der Freude mit ihren silberhellen Stimmchen ein paar flotte Liedchen darbrachten, bei denen die Händchen in die Luft flogen, viel geklatscht und eifrig mit den Füßchen gestampft wurde: Das war ein tolles Geschenk, liebe Kinder! Das Eis, das euch danach spendiert wurde, habt ihr euch redlich verdient. Wir Emsschwimmer wurden von der Samtgemeinde zu einem wirklich leckeren Essen im Hafencafé des Marina Parks eingeladen.
Und als ob wir nicht schon genug beschenkt worden wären, bekamen wir noch einen Scheck über 200,– Euro in die Hand gedrückt: zur Unterstützung der regionalen Aids-Aufklärung und –Prävention. (Dafür bedankte sich Heidi beim Start zur zweiten Tagesetappe mit einem sehenswerten Kopfsprung in die Fluten der Ems!)
Und abends waren wir Gäste der Gemeinde Rehde, die uns per Schiff an der Schleuse Helstrum empfing und zu unserem Nachtquartier brachte. Und zu einem weiteren köstlichen Essen … (Wer denkt, bei einem Schwimmmarathon über 130 Kilometer auf die beiläufige Art das eine oder andere Kilo in den Fluten der Ems zu verlieren, ist schief gewickelt. So wie wir durchgefüttert wurden, sehen wir der ersten Begegnung mit der heimischen Waage mit leisen Befürchtungen entgegen …) Sei’s drum. Noch einmal: tausend Dank für die herzliche Aufnahme und die großzügige Unterstützung, die uns zuteil wurde.
Morgen wartet der letzte Akt auf uns, bevor der Vorhang endgültig fällt: Beim großen Finale in Papenburg, das nach der letzten Schwimmetappe mit einem Fest enden wird, mit Reden und Getränken und Sambamusik bei hoffentlich strahlend schönem Wetter. (In Papenburg wird auch Jürgen Santel wieder dabei sein wird, der Top-Athlet in unseren Reihen. Er ist nicht nur als Triathlet mit zwei Teilnahmen beim weltberühmten Ironman von Hawaii eine sportliche Kapazität; er bringt es auch bei so einer «Hobbygeschichte» wie dem Emsmarathon problemlos fertig, in aller Herrgottsfrühe in seinen Laufschuhen sein Pensum runterzureißen, danach 6 Kilometer in flottem Tempo zu schwimmen, um sich nach einem kurzen Imbiss auf seinen Inlineskatern Richtung Rheine auf den Weg zu machen, wo er dringend in seinem Sportgeschäft zu tun hat. Männer sind Mimosen? O.k., aber nicht alle.) Über das Papenburger Finale in den nächsten Tagen mehr auf dieser Seite!
Ein paar Kleinigkeiten noch über Befindlichkeiten (oder sollte man besser sagen: Befindlichkeitsstörungen?) innerhalb des Teams. Es wird quasi pausenlos gesungen (in den Begleitbooten, versteht sich); hier an vorderster Front aktiv: The Marvellous Düster Sisters, die ebenso blonden wie fröhlichen wie stimmgewaltigen Töchter von Christine und Joachim Düster, den Initiatoren des Ems-Schwimmmarathons. Julia (genannt Julia), Katharina (genannt Ka) und Johanna (genannt Knödel) müssen ein (gefühltes) Repertoire von 666 Stücken (Melodien PLUS Text!) drauf haben, die sie mit Inbrunst zum Besten geben. Das Repertoire reicht von Drafi Deutscher und Edith Piaf über Die Doofen bis zu «Der Mond ist aufgegangen» und «Heitschi-bum-beitschi-bum-bum» (keine Garantie für die richtige Schreibweise!) bis zum liturgischen Ohrwurm «Oh Heiland, reiß die Himmel auf». Falls Deutschland einmal im Segment blonde Trios einmal den Superstar suchen sollte: In Glinde vor den Toren Hamburgs schlummert in Gestalt der Marvellous Düster Sisters eine, also drei wahre Perlen der Vokalkunst!
Einem ernsteren Problem kann der Schreiber dieser Zeilen sich aus Zeit-/Platz-/ oder Müdigkeitsgründen nicht mehr mit der nötigen Ernsthaftigkeit widmen, obwohl das zu beklagende Phänomen es mehr als verdient hätte. Das Problem lautet: fortschreitender Sprachverfall. Oder muss man das schon Sprachzerfall nennen? Wir reden hier nicht vom zunehmenden Hang zu Kalauern. Es sind eher die elementaren Befunde, die erschrecken: die grammatikalische Binnenstruktur der Sätze, die wir im Laufe des (langen! anstrengenden! aufregenden!) Tages von uns geben, löst sich in bemerkenswertem Tempo auf – von der Sinnhaftigkeit der verbalen Äußerungen ganz zu schweigen.
Ein Beispiel? Aber nur eins: «Komm ma bei mich bei un mach dat määä ma ei!» Ja, so reden wir (manchmal). Nichts verstanden? Ist auch egal. (Doch nicht egal? Also: «Komm mal her zu mir und streichele das Schäfchen …» oder so ähnlich.) Ulrike, die irgendwo in einer alternativen Nische des Politikgeschäfts ihre Brötchen verdient (und an der Ems neben Christine und Heike die große Stütze des Orga-Teams ist) hat schon hoch und heilig gelobt, sofort einen Crashkurs «Deutsch im zweiten Anlauf» zu belegen, wenn sie wieder zurück in Hamburg ist.

(Nein nein, das ist keineswegs ein hochattraktives Pärchen aus der Emsregion, die sich beim lauschigen Spaziergang an den sportlichen und gesanglichen Darbietungen fremder Menschen auf, im und unter Wasser erfreuen. Nein, das sind unsere Organisationschefin Christine Düster und Chefkanute Johannes Plagemann, die mit einem Tässchen Tee in der Hand ein paar relaxte Minuten ohne Regenchaos und Versorgungsstress genießen.)
Ach so, die Überschrift. Na, dazu vielleicht doch ein ander Mal ein paar (er)klärende Sätze (obwohl eigentlich beide Aussagen keiner Erläuterung bedürfen). Gute Nacht dann und vielleicht bis morgen in Papenburg!
Tag
12. September 2007
Dass der Schwimmmarathon in der Ems sich am Ende noch zur kleinen Forschungsreise entwickeln würde – damit war wirklich nicht zu rechnen. Man muss das, was Heidi Fischer-Klages bei ihrem Schwimmpart am späten Vormittag kurz vor Geeste-Dalum erblickte, eine kleine Sensation nennen, die zahllose Nagetierforscher in aller Welt elektrisieren wird: Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrhundert wurde ein in der Emsregion als ausgestorben geltendes Tier gesichtet: der Emsnebelotter (im Volksmund kurz und knapp der Eno genannt).
Der Eno ist eine Rarität. Er gehört zu den Tierarten, die jahrelang, manchmal jahrzehntelang nicht gesichtet werden. Dabei steht er auf keiner Roten Liste bedrohter Tiere. Er wird nicht gejagt, nicht einmal sein Fell gilt als besonders begehrenswert. Das Problem mit dem possierlichen Tierchen ist: Man bekommt es einfach nicht zu Gesicht. Es gibt es, es ist da – nur wo?
Als Heidi am Montag als zweite Schwimmerin ins Wasser stieg, ahnte sie nichts von diesem historischen Moment. An einer Stelle, wo die Ems in sanften Schwüngen durch die Landschaft mäandert und das Ufer von dichtem Gebüsch, von vielerlei Schilf- und Schlingpflanzen gesäumt ist, geschah es: Ein langer Kraulzug, ein flüchtiger Blick Richtung Ufer – plötzlich fixierten sie zwei große Knopfaugen von undefinierbarer Farbe. Wie paralysiert starrte sie ihrerseits DAS WESEN an, das sie ruhig, geradezu freundlich anblickte, so als wollte es sagen: Endlich lässt sich einmal einer von euch blicken …
Die eiligst alarmierten Paddler im Begleitboot glaubten ebenfalls ihren Augen nicht zu trauen; zu eigenartig sah dieses Wesen aus. Irgendwie erinnerte es von Ferne an Nagetiere aus der Familie der Biber oder Otter. Aber anders als seinen Artgenossen hat die Natur ihm das perfekte Tarnkleid mitgegeben. Je nach Helligkeit und Lichteinfall changiert die Farbe zwischen braun, grün, grau und silbern. An diesem silbrigen Nebelschimmer des Fells hat die von uns um eine Schnellexpertise gebetene Forschungsgruppe am Institut für Wasserökologie der Universität Kiel den großäugigen Flussbewohner zweifelsfrei als den Eno identifiziert. Dass ausgerechnet die Emsschwimmer um Joachim Düster das Glück hatten, endlich wieder ein Exemplar dieser Gattung zu entdecken, ist wie eine Fügung des Schicksals. (Andererseits: Wer sonst ist der Flora und Fauna der Ems in letzter Zeit so nahe gekommen, wie die Schwimmerinnen und Schwimmer, die in diesen Tagen zwischen Rheine und Papenburg mit ihrer Aktion gegen Aids unterwegs sind, und das bei Wassertemperaturen von maximal 16 Grad?)
Wissenschaftler in aller Welt zeigen sich von der Nachricht elektrisiert. Der letzte, über jeden Zweifel erhabene Eno-Beobachter war der manchen alten Emsländern vielleicht noch bekannte Naturforscher Dr. Moritz Kagelmann. Den emeritierten Meeresbiologen der Universität Konstanz hatte es als Rentner Ende der 50er Jahre in den Norden verschlagen, wo er mit seiner Frau Margarethe ein Häuschen unweit von Haren bezog. Statt der Erforschung der Weltmeere widmete sich der Professor fortan den kaum weniger faszinierenden regionalen Biotopen.
Von ihm kommt auch die einzige halbwegs präzise Beschreibung des Enos, den er in den späten Apriltagen des Jahres 1963 nur wenige Kilometer jenseits der Stadtgrenze von Rheine zweifelsfrei identifizierte. Da Bootsführer Johannes Plagemann auf Heidi Fischer-Klages’ hektischen Ausruf „Da! Da!“ reaktionsschnell die Kamera hochriss und eine ganze Reihe Bilder von dem friedlich dreinblickenden Nager schießen konnte, sind wir in der erfreulichen Lage, schon bald Publikum und Fachwelt gleichermaßen auf dieser Website die ersten Bilder zu zeigen, die es bislang überhaupt von dem Eno gibt.
Nicht umsonst gilt seine Unbekanntheit als das hervorstechendste Merkmal des Enos. Noch im hohen Alter bedauerte der große Alfred Brehm, dass er dieses rätselhaften Wesens nie persönlich ansichtig geworden ist – daher auch der karg und kryptisch ausfallende Hinweis in „Brehms Tierleben“.
Zum Schluss noch eine nette Petitesse. Freunden anspruchsvoller Popmusik ist er ein Begriff: Brian Eno, der amerikanische Komponist, Klangkünstler und Sänger. Eine kurze Anfrage unsererseits wurde von Brian Enos Management prompt beantwortet. Claire LaLune schreibt: „First of all: congratulations for finding the legendary Eno animal. That’s great, wow! But Mr. Eno is sorry to say that he has never heard about it before. But please let him know if you find out any spectacular information about it. Best greetings from Mr. Eno to your silvery star!“
Tag
12. September 2007
Alle reden vom Wetter. Wir auch.
Die 100-Kilometer-Marke ist geschafft! Heute ging es von Haren über die Schleuse Hilter nach Lathen, wo um 18 Uhr ein phänomenaler Empfang mit Bürgermeister Weber, dem Shanty-Chor aus Fresenburg und so vielen Zuschauern stattfand, dass man fast schon von einem kleinen Volksfest sprechen konnte. Welches Engagement! In der gesamten Gemeinde wurden Einladungen verschickt, Plakate gedruckt, Spenden gesammelt undundund … Zwei Lathener verdienen einen besonderen Dank: die Familie Rohe.Also: Ein herzliches Dankeschön all jenen, die das möglich gemacht haben.
Lathen – das war ein hinreißender Empfang für uns. Überwältigend und erzerwärmend – warm duschen mussten die Schwimmerinnen und Schwimmer dennoch auf die Schnelle. Nass im Neoprenanzug auf einem Steg stehen, geht überhaupt nicht: Glibbergefühl und Kälteschock. Wir wollen ja schließlich alle am Freitag gesund und wohlbehalten Papenburg erreichen.
«Lieber ein Himmel ohne Götter als ein Himmel ohne Wolken.» Der große Liebhaber der norddeutschen Tiefebene, der Schriftsteller Arno Schmidt, hätte an dem Wetter der letzten Tage seine Freude gehabt. Von Tag zu Tag verspricht der Wetterfrosch Besserung, und jeden Morgen hängt der Himmel aufs neue voller Wolken. Zumindest hielt sich der Regen freundlicherweise weitestgehend zurück: mehr Sonnenstrahlen als Regentropfen, das ist eine anständige Tagesbilanz. So kann es weitergehen.
Das Team setzt seine Schwimmreise Richtung Papenburg fort. Am fünften Tag haben sich längst die entscheidenden gruppendynamischen Prozesse vollzogen; man kennt sich. Die Überraschung für alle, die dabei sind: Gleich beim ersten Treffen der Schwimmer Ende Juni spürten alle, dass sie auf einer Wellenlänge lagen. Heidi Fischer-Klages aus Wentorf erinnert sich: „Vielleicht haben wir dieses Gemeinschaftsgefühl so schnell entwickeln können, weil jeder von uns wusste, warum er dabei war. Auf dieser Basis haben wir uns ganz schnell verstanden.“
Heidi Fischer-Klages ist Mutter von drei Söhnen im Alter von 14, 16 und 18 Jahren. Als gebürtige Freiburgerin muss sie mindestens einmal jährlich in die Berge, in den letzten Jahren zog es sie mehrmals in den Himalaya. Zu Hause schwimmt sie, läuft sie und fährt Fahrrad, wie es die Zeit gerade erlaubt. Am Wentorfer Tonteich ist sie Joachim Düster begegnet: Zwei Schwimmer, die so oft gemeinsam Wind und Wetter trotzen, müssen sich einfach kennen lernen. Sie hat spontan zugesagt, als Joachim Düster ihr sehr früh schon von seinem Plan erzählte.
«Mir war gar nicht klar, wie groß das Team sein würde. Und auf einmal überlagern sich hier die Rollen. Eigentlich habe ich mich nur als Schwimmerin gesehen, aber plötzlich fehlte jemand in einem der Paddelboote. Jetzt habe ich den doppelten Spaß: Ich schwimme und darf ab und zu noch paddeln.» Bärbel Stockel ergänzt: «Gleich beim ersten Treffen haben wir vorgeschlagen, dass wir manche Streckenabschnitte zu zweit schwimmen wollen. Jetzt zeigt sich, wie schön das ist. Du hältst Kontakt zum anderen, man ist gemeinsam unterwegs.»
Dienstag und Mittwoch hat das Team Strecken auf der Ems zurückgelegt, die leider nicht mehr den absolut idyllischen Naturcharakter unserer ersten Tage besaßen. Der Fluss wird breiter, macht teilweise sogar einen recht eintönigen Eindruck wie der parallel verlaufende Kanal.
Das Monatsmagazin „Mittendrin“ überrascht uns heute mit einem doppelseitigen Bericht unter der Überschrift „Mit dem Strom gegen AIDS“. Die (Ems-)Wellen, die die Aktion hier schlägt, freuen uns ungemein. Fast alle Teammitglieder inklusive der Organisatoren haben eine komplette Woche Urlaub für die Teilnahme „investiert“ – schön, wenn andere das Engagement honorieren und weiterführen. Apropos mittendrin: Den ganzen Vormittag über begleitete uns ein dreiköpfiges NDR-Filmteam – dieses Mal ganz nah dran an Joachim Düster.
Erfrischend sind die Begleitaktionen, die die Emsschwimmer seit Samstag erleben. Mal empfängt sie ein Boot der örtlichen DLRG, mal sind es Jugendliche, die als Staffel neben und mit dem Team schwimmen. Einmal fand sich Heidi Fischer-Klages inmitten von zehn, zwölf Paddlern wieder: «Da fängst du an, mit den Booten zu spielen, fühlst dich unter ihnen richtig gut aufgehoben und spürst sofort wieder die unbändige Lust, die das Schwimmen macht. Einfach klasse.»
Tag
11. September 2007
Die zweite Hälfte des Schwimmmarathons hat begonnen – Tag 4
Die Schwimmer sind gewissermaßen die Künstler dieser Aktion. Sie brennen darauf, zu zeigen, was sie können. Sie sind immer als Erste am Steg. Die aufwändigen Umkleideaktionen verrichten sie zielgerichtet und professionell. Dann genügen ihnen wenige zentrale Informationen – gibt es ein Wehr? können Berufsschiffe entgegenkommen? sonst irgendwelche Besonderheiten, die gefährlich werden könnten? –, und schon sind sie weg.
Nach dreieinhalb Tagen kann jeder, der in den Begleitbooten mitgefahren ist, die individuellen Schwimmstile unterscheiden. Die meisten gleiten erstaunlich elegant durch das Wasser – die Hände tauchen geschmeidig ins Wasser ein, bleiben für kurze Zeit ausgestreckt vor dem Körper, als versuchten sie noch ein paar Zentimeter mehr herauszuholen, dann verschwinden sie seitlich neben dem Körper, während der Kopf nur eine ganz kleine Seitbewegung macht, eigentlich mehr ein schlankes Fließen, das vom Kopf aus den ganzen Körper bis zu den Füßen durchzieht, wobei bereits der andere Arme über die Schulter im Bogen nach vorn geholt wird und die Hand darauf lauert, im richtigen Moment in das Wasser einzutauchen.
Jede und jeder der Schwimmer hat einen eigenen Stil, und der wiederum ist auf dem ersten Kilometer anders als nach 70, 80 Minuten. Der Autor dieser Zeilen hat sich über eine kurze Strecke selbst als Schwimmer versucht, es war ein begeisterndes und erschöpfendes Erlebnis. Jetzt weiß er ein für alle Mal: Egal, wie spielerisch und elegant es aussieht, egal, wie selbstverständlich alle mit dieser körperlichen Leistung umgehen – ein Blick in Anne Stockels Gesicht genügt, um auch dem letzten Pressefredi klarzumachen: Es ist Arbeit, was diese Wasserkünstler vollbringen, Stunde für Stunde, Kilometer für Kilometer.
Jede solche Aktion braucht aber auch ihre Organisationskünstler. Die dafür sorgen, dass zur rechten Zeit das Teewasser am richtigen Ort kocht und so weiter. Vier bis fünf Mal am Tag, immer wieder an einer neuen, noch nie zuvor gesehenen Stelle. Und die dafür sorgen, dass die drei, vier Fahrzeuge an Land und die beiden Begleitboote zu Wasser immer à jour sind. Theo Freckmann waltet zu Wasser seines Amtes. Am 1. November feiert er sein 30-jähriges Dienstjubiläum als Rettungssanitäter. Es dürfte wenige Menschen geben, die mit einer solchen Begeisterung ihre Arbeit verrichten. Jede seiner Handgriffe, jede seiner Instruktionen lässt eines spüren: Er hat den Überblick. Und wenn einmal Batterien fehlen, ein Kabel zu kurz ist oder ein technisches Problem vorliegt, kommt Theo Freckmann im nächsten Moment mit dem Gesuchten oder aber mit drei Funkgerätekoffern, die mit dem Feinsten, was ein Technikerherz begehrt, bestückt sind. Probleme gibt es für ihn nicht, nur Lösungen. Einige aus dem Team haben neben dem großen Herz unseres Wasserrettungsexperten seine kunstvoll arbeitenden Hände schätzen gelernt. Die Zahl derjenigen, die sich am Abend noch eine Nackenmassage gönnen, steigt seit Sonntag kontinuierlich.
Nackenmassagen hätten auch dem Chef der Feuerwehr von Rheine, Johannes Plagemann, bei seinem Arbeitspensum hin und wieder gutgetan. Für ihn scheint es keine Straße, keinen Weg und keinen zweispurigen Pfad zu geben, die er nicht aufspürte. Fast immer findet er den richtigen Weg auf Anhieb. Wenn sein Fahrzeug am Kopf der kleinen Kolonne anhält, wissen, nein: spüren alle, Johannes muss eine Frage beantworten. Sein Handwerkszeug sind eine Karte im Maßstab 1:20.000, der Blick aus dem Autofenster, und sein Kombinationsvermögen. Je näher er sich dann dem Zielpunkt, meist völlig unscheinbaren Stellen entlang der Ems, nähert, umso intensiver liest Johannes Plagemann die Landschaft. Wenn ein Weg asphaltiert ist, muss das einen Sinn ergeben – vielleicht fahren hier öfters Fahrzeuge zur Schleuse? Niedergefahrenes Gras deuten darauf hin, dass es offenbar einen Platz am Fluss gibt, der hin und wieder besucht wird. Bei den Indianern wäre er einer der gefragtesten Fährtensucher geworden. Sein Blick, suchend, aber bestimmt, immer ruhig sagt: Wenn ich mich richtig umsehe, sehe ich, wonach ich suche.
Seiner Passion kommt er in der Freizeit nach. Mit seinem Kanu-Verleih Das Rheine Kanuvergnügen organisiert er häufig Fahrten für Gruppen, er weiß längst, worauf es ankommt. Die Emsschwimmer profitieren davon.
Der Dienstag heute bot eine der leichteren Strecken der Tour. Einmal durchatmen war angesagt. Kräfte sammeln für den nächsten Shanty-Chor. Der aus Haren, beim herzlichen Empfang durch Herrn Bürgermeister Honningfort, gemeinsam mit Herrn Fehren, hat alle mit seiner Professionalität überrascht. Diese Gesangsdarbietungen bleiben übrigens nicht folgenlos. Seit kurzem singen die Paddelbootbesatzungen, heute schon im Refrain. Eine Schwimmerin hat bereits um Singen während ihres Schwimmparts gebeten. Noch sind es drei weitere Tage bis Papenburg.
Übrigens haben heute Mädchen und Jungen des SV Haren das Team auf den letzten anderthalb Kilometern vor Haaren begleitet und so ihre Unterstützung des Anliegens des Schwimmmarathons gezeigt. Die Energie im Wasser stieg mit der Beteiligung der jungen Schwimmer sofort spürbar an, die letzten Meter haben richtig Lust gemacht. Danke dafür!
Tag
10. September 2007
Eine tierische Begebenheit auf der Tagesetappe 3 von Lingen über Geeste-Dalum nach Meppen
Wir setzen unsere Kurzbetrachtungen zu Themen aus der Tierwelt fort. Eine Schwimmerin, ein Schwan (eine Schwänin?). Die Schwimmerin zieht ihre Spur durchs Wasser, ohne nach links und rechts zu blicken. Das weckt des Schwans Interesse. Was mag er denken? Alle in der Schwanenpsychologie nicht so Bewanderten, also alle, wollen jetzt mit dem Gemeinplatz Eindruck machen, dass der Schwan nur seine Jungen beschützen will. Aber da ist kein Junges, nicht mal ein schon älteres Junges, wir schreiben immerhin September, da sind, das erzählt einem aber nun wirklich jedes Kind in genervtem Tonfall, die Jungen längst groß.
Noch schwieriger wird der Fall, da unser Schwan besagte Schwimmerin, es handelt sich übrigens um Bärbel Stockel, die Gradlinige, irgendwie zu umschmeicheln scheint. Oder wie soll man es interpretieren, wenn er sich ihr freundlich nähert, dann ruhig, aber bestimmt mit den Flügeln zu schlagen beginnt, sich sanft erhebt und ganz ohne Zweifel auf dem Kopf, sprich der Badehaube, sprich einer unserer mintgrünen Teamschwimmhauben zu landen versucht? Selbst einem gewitzten Schwan, und dass unserer sein Charme-Handwerk versteht, haben wir ja bereits herausgestellt, kann das nicht gelingen.
Bärbel ist einfach zu schnell. Schneller jedenfalls als das Begleitpaddelboot, das geschwind ein Meinungsbild erstellt, was zu tun sei. Endlich einmal gibt es etwas zu tun, darin sind sich alle einig. Genau genommen zum ersten Mal während der drei Tage. Aber was, um einerseits die sich anbahnenden Bande zwischen Mensch und Tier respektive Tier und Mensch nicht zu zerschneiden, sondern sie vielleicht zu befördern, oder sagen wir neutral: um sie zu ermöglichen; um andererseits sich «hinterher» aber nicht sagen lassen zu müssen, nicht rechtzeitig reagiert zu haben, wo doch alle vom Ufer aus gesehen haben, dass das Team von Anfang an alles gesehen hat.
Das nennt man eine Zwickmühle. Und die ist viel schlimmer zu lösen als beispielsweise das Zwicken eines Neoprenanzuges, von dem immer wieder mal beim Schwimmmarathon gesprochen wird. Meist ist der Schwimmer selbst schuld, hat das reptilienhafte schwarze Etwas nicht glatt genug über die Muskeln und Gelenke geschoben, sodass Falten oder eben Zwickel entstehen konnten, die dann zwicken.
Zurück zum Schwan. Er unternimmt bereits seinen dritten oder vierten Versuch, das Beschriebene zu tun. Das geht so nicht weiter, denkt sich die Paddelbootbesatzung. Was aber denkt sich der Schwan, siehe unsere Ausgangsfrage? Vielleicht, denkt sich nun ein Paddler, sollte man die Schwimmerin endlich warnen oder zumindest aufmerksam machen auf das, was gerade neben, hinter, fast über ihr geschieht? Denn das einzige, was ganz sicher ist, ist dies: Die Schwimmerin hat von allem noch gar nichts mitbekommen.
Ist das vielleicht das eigentliche Drama? Ihr Schauplatz: die Ems kurz hinter Geeste-Dalum, dem Ortsteil der Gemeinde mit dem definitiv lebhaftesten Shanty-Chor der Region. Es war nichts weniger als ansteckend, was die älteren Herrschaften im blauen Blazer, weißer Hose und mit verblüffend echt wirkender Matrosenmütze auf dem Kopf von sich gaben. Die jungen Deerns aus Hamburg, und davon waren eine ganze Menge vor Ort, waren bald außer Rand und Band. So was aber auch!
So funktioniert Generationenverständigung – allen ein herzliches „Junge, komm bald wieder“ zum Abschied! Salzbergen hat offenbar recht viele entschlossene Männer. Während unsere Paddler immer tiefer zwischen Scylla und Charybdis feststecken, nichts geht mehr, schreiten jene zur Tat. Die vier Mann Besatzung des DLRG-Begleitbootes kurz vor und kurz hinter Geeste-Dalum haben genug gesehen. Feinfühlig, aber doch entschlossen schieben sie sich zwischen Bärbel Stockel und den Schwan (die Schwänin?). Eine so klare Sprache versteht der. Und Bärbel schwimmt weiter, sowieso. Sie hat ja gar nichts gemerkt.
Tag
9. September 2007
Der zweite Tag des Schwimmmarathons
Sonntagmorgen um acht an der Ems: nichts als der breite, rasch fließende Strom, Felder, Bäume und ein weiter Himmel. Alles hat seine Ordnung, und alles strahlt eine große Ruhe aus. Haubentaucher wenden sich misstrauisch ab, als Joachim Düster sich als erster Schwimmer am Morgen auf dem Fluss nähert – hier ist der Mensch noch das unbekannte Schwimmobjekt. Weniger Berührungsangst zeigen die Fischreiher, die zum Erstaunen aller den Mann im Wasser begleiten. Fast scheint es, als würden sie sich über etwas Gesellschaft zu dieser frühen Stunde zu freuen.
Schwer hängt der graue Himmel über der Landschaft. Es ist frisch und fängt leicht zu nieseln an. Alle frösteln. Ein Sonntagmorgen um acht in Salzbergen.
Für manch einen Stadtmenschen hat sich die Landpartie bereits als deutlicher Erfahrungsgewinn herausgestellt. Entrüstete Beschwerden über die «schlechtgelaunten Schafe», die die Nachtruhe durch Blöken direkt vor dem Fenster gestört hätten, lösen beim Frühstück eine Diskussion über Tierstimmen und Tierstimmungen bis hin zu fremden Geräuschen auf dem Land überhaupt aus. In die Sache ist keine wirkliche Klarheit zu bringen.
36 Kilometer lang ist die heutige Tagesetappe und damit die längste. Die Belohnung hält der Fluss selbst bereit: still zieht er Bogen um Bogen, Schwimmer wie begleitende Paddler genießen die intensive Stimmung. Katrin Mieling löst Joachim Düster nach 3,5 Kilometer ab. „Cool“ sei es gewesen, strahlt sie. „Mit den Socken hatte ich heute ganz warme Füße – und wenn das stimmt, dann geht es mir gut.“
Katrin Mieling hatte im Frühjahr im Radio von der Aktion erfahren. Sie ist begeisterte Schwimmerin, als Sechsjährige hat sie 1977 beim Schwimmverein Bitterfeld mit dem Schwimmsport begonnen und bald für viele Jahre systematisch trainiert. Viele Erfolge waren der Lohn, doch dann war Schluss. Sportler mit der falschen politischen Einstellung wurden nicht weiter gefördert, und Katrin Mieling hat immer ihre Meinung gesagt. Im Herbst ´89, kurz vor der Öffnung der Mauer, kam sie über Ungarn in den Westen und bald nach Gronau an der Grenze zu Holland. Heute arbeitet sie hier als Krankenschwester im Krankenhaus.
Eigentlich kommt der Schwimmmarathon für sie zur Unzeit. In wenigen Wochen, Anfang Oktober, wagt sie den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnet in Ochtrup ein Pilates-Zentrum. «Im Juni habe ich meine Ausbildung als Pilates-Pädagogin abgeschlossen, jetzt stecke ich mitten in den Vorbereitungen zur Eröffnung meiner Praxisräume. Gestern beim Start in Rheine habe ich nur Stress empfunden, aber heute Morgen bin ich aufgewacht und kann mir vorstellen, mich hier einige Tage richtig freischwimmen. Vielleicht passt der Zeitpunkt auf einmal ganz gut.»
An der Listruper Schleuse kommt zum ersten Mal die Sonne heraus. Hier steht man auf historischem Boden. 1815 wurde im Zuge des Wiener Kongresses die Ems zwischen Preußen und Hannover aufgeteilt, 1828 wurde die Schleuse eröffnet. 40 Jahre später passieren zur Zeit der intensivsten Nutzung des Flusses 1200 Schiffe pro Jahr die dicken Holzstemmtore, zumeist mit Salz aus der Saline von Rheine beladen.
Hinter der Schleuse, am Anleger Emsbüren, hat der Zug Wasserrettung Emsland der DLRG Zelte und einige seiner Rettungsfahrzeuge und Boote aufgebaut, wie gestern schon in Salzbergen. Zugführer Klaus Hilling aus Lingen beißt in eines der von seinen Leuten bereitgestellten belegten Brote. «Wie machen aus zwei Gründen hier mit. Zum einen, weil wir so eine Aktion hier noch nicht hatten, wir finden den Einsatz von so vielen Menschen für eine sinnvolle Sache richtig gut. Und zum anderen auch, um auf uns selbst aufmerksam zu machen. Viele wissen gar nicht, dass wir zum Beispiel unser ganzes Eigenmaterial selbst kaufen. Auch wir sind darauf angewiesen, dass man unsere Arbeit kennt und schätzt.»
Kurz darauf überreicht Bürgermeister Overberg eine Spende an Joachim Düster: «Im Rahmen unserer Möglichkeiten möchte sich auch die Gemeinde Emsbüren an Ihrer beispielhaften Aktion beteiligen. Kommen Sie alle gut in Papenburg an.» Das gesamte Team wird zu einer kleinen Stärkung in den Gasthof eingeladen.
Kurz hinter dem Anleger Emsbüren geht die Ems in den Emskanal über. Die idyllische zweite Etappe ist hier vorbei, jetzt müssen die Schwimmer in einem breiten Kanal sich durchbeißen. Atomkraftwerk und Metallverarbeitungsanlage bilden einen herben Kontrast zu den ersten Stunden des Tages. Am Abend in Lingen winkt dafür wieder ein schöner Empfang. Ein langer Tag ist noch nicht zu Ende.
Tag
9. September 2007
Die Aktion «Die Emsschwimmer – gemeinsam gegen Aids» hat begonnen
Rolf Lohaus macht nicht den Eindruck, als würde ihn leicht etwas irritieren. 1,90 groß, 100 Kilo schwer, kurze blonde Stoppelhaare, eine tiefe Stimme und ein freundliches, rundes Gesicht: Da steht er und überblickt die Lage. Aber was er sagt, passt nicht zu dieser Ausstrahlung: „Ich hatte gestern richtig Bammel, ich hatte Lampenfieber und Schiss.“ Schon organisiert er wieder, schickt einen Begleiter von dem einen in das andere Paddelboot, treibt die Schwimmer an, sich endlich auf dem Steg einzufinden und zerrt sich selbst die viel zu eng sitzende mintgrüne Team-Schwimmhaube über die Ohren.
Er hat mit den anderen Schwimmerinnen und Schwimmern des Emsschwimmer-Teams die anderthalb Kilometer lange Strecke von der Soldatenbrücke bis zu den Emsterrassen in Rheine zurückgelegt, viel schneller als geplant, jetzt begleiten sie gemeinsam noch einmal die Startschwimmerin bis zur Schleuse. „Aber als ich dann endlich im Wasser war, war ich relaxt. Ab da war alles in Ordnung.“ Man kann auch sagen, ab diesem Moment war Rolf Lohaus in seinem Element. Seit 15 Jahren ist er Unterwasserrugbyspieler, zuletzt in der ersten Liga.
Joachim Düster kennt er schon sehr lange aus dessen Rheinenser Zeit. Als er vor über einem Jahr von ihm gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, bei einem Schwimmmarathon von Rheine bis nach Papenburg mitzumachen, musste er nicht wirklich überlegen. Bis ihm einfiel, dass er nicht mehr so gut trainiert war. In diesem Sommer hat er im Urlaub in Kroatien noch getan, was möglich war. „Vor allem habe ich mich umstellen müssen: Beim Unterwasserrugby ist Sprintpower gefragt. Dieses Gleiten, das du hier brauchst, habe ich mir erst wieder neu beibringen müssen.“ Am Ende der vor ihm liegenden Woche könnte es sein, dass er so gut wie vielleicht noch nie als Langstreckenschwimmer durch das Wasser gleitet.
Die Auftaktveranstaltung in Rheine hat sich inzwischen dem Startschuss durch die Bürgermeisterin Frau Dr. Kordfelder genähert. Vielleicht 250 Zuschauer, viele von ihnen kennen den einen oder die andere aus dem Team, warten auf den Sprung ins Wasser: Bärbel Stockel, selbst auch begeisterte Unterwasserrugbyspielerin und beruflich in der Altenpflege tätig, wird das erste Stück der 130 Kilometer langen Strecke zurücklegen.
Die Stadt hat sich in diesen Tagen das Motto «Rheine – ohne Altersbeschränkung» gegeben, ihr Beitrag im Rahmen des niedersächsischen Veranstaltungsreigens „Ab in die Mitte“. „Wir stellen dabei den Fluss in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Da ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns bei der Aktion ‘Die Emsschwimmer’ beteiligen. Ich kann Sie nur ermutigen, solche Aktivitäten weiter zu treiben“, sagte Frau Kordfelder bei ihrer Begrüßung.
Vor einer Woche noch war der Pegelstand des Flusses so hoch gewesen, dass es keine Möglichkeit gegeben hätte, in dem Fluss zu schwimmen. Täglich hatte das Team angespannt auf die Wasserstandsmeldungen geachtet: die Maximalhöhe durfte nicht über 330 cm liegen. Heute liegt der Pegel bei 320 cm – Petrus hat im letzten Moment noch ein Einsehen.
Bärbel Stockel ist keine Frau, die lange fackelt. Ist sie erst einmal im Wasser, kann sie kaum noch etwas stoppen. Als die Begleitboote sich organisiert haben und starten können, ist von Bärbel schon nichts mehr zu sehen. Sicher und zügig zieht sie ihre Bahn, sie kennt die Strecke und kann daher fast „blind“ schwimmen. Die 4,5 Kilometer bis zur dritten Schleuse zieht sie in einem Rutsch durch – so war das gar nicht geplant. Aber es geht: „Es war wirklich kalt, aber je länger ich geschwommen bin, desto besser wurde es.“ Hier an der Schleuse treffen sich Schwimmer, die Begleitboote und das Organisationsteam. Durchatmen, essen, trinken, und auf die erste kurze Etappe zurückblicken.
Die Ems ist kalt, sehr kalt. Vielleicht 16 Grad? Eher weniger, schätzen wir. Circa fünfzehn Kilometer geht es dann weiter bis Salzbergen, die erste Gemeinde entlang der Strecke. Herr Kaiser, der Bürgermeister, hat es sich nicht nehmen lassen, mit DLRG und dem Ruderverein zusammen ein „Familienfest an der Ems“ zu organisieren. Einige hundert Zuschauer begrüßen die „Emsschwimmer“ – ein wirkliches Fest beginnt.
Der Schwimmarathon 2007 von Rheine bis Papenburg unter dem Motto „Gemeinsam gegen Aids“ hat begonnen. Die Schwimmer sind in ihrem Element. Morgen kann es weitergehen. Wie sagt der Schriftsteller John von Düffel in seinem Roman „Vom Wasser“: „Ans Wasser. Ans Wasser. Wir kehren immer zum Wasser zurück.“



















